Archiv nach Autor: Jürgen Siebert

Dufter Kumpel: die Biergartenschrift FF Prater

Prater damals: Das handgemalte Prater-Eingangsschild im September 2000, entworfen von Henning Wagenbreth und eBoy

Als kurz nach dem Mauerfall Berlins ältester Biergarten wieder öffnete, übernahm ein junger Designer die visuelle Ausstattung. Wie man Parolen auf hohem Niveau pinselt, lernte er schon in der Grundschule. Gepaart mit dem akademischen Geist der Kunsthochschule, servierte er dem Restaurant eine Beschilderung, deren Hauptdarsteller – die Schriften – bis heute in den Reiseführern von Typo-Fans als »sehenswert« vorgemerkt werden.

Prater heute: Umschlag des Romans Le Nazi et le Barbier von Edgar Hilsenrath, Design: Henning Wagenbreth

Es gibt nur wenige Kunstschulen, denen man einen eigenen Stil nachsagen kann. Die Kunsthochschule Berlin (KHB) in Weißensee gehört dazu. Auf den Gebieten Illustration und Grafikdesign pflegen ihre Absolventen eine klassische, unverwechselbare Handschrift. So auch der junge Henning Wagenbreth, der 1987 sein Diplom an der KHB ablegte.

Als kurz nach dem Mauerfall der Prater, Berlins ältester Biergarten, wieder öffnete, kümmerte sich Wagenbreth um die visuelle Ausstattung des zuletzt als Kreiskulturhaus genutzten Areals. Wie man Parolen und Wandzeitungen auf hohem Niveau pinselt, lernte man in der DDR bereits in der Schule. Gepaart mit akademischem Wissen bescherte Wagenbreth dem rustikalen Restaurant im Prenzlauer Berg eine Beschilderung, die weltberühmt wurde, denn der Prater reifte in den Berlin-Führern rasch zum Geheimtipp.

Noch immer im Einsatz für den Namensgeber: aktuelle Weihnachts-Homepage der Gaststätte Prater

Die Hauptrolle auf den Prater-Schildern spielte eine holzschnittartige Schrift in verschiedenen Stilen. Kurz nach Wiedereröffnung des Biergartens trafen sich der »eBoy« Steffen Sauerteig und Henning Wagenbreth, um über eine Digitalisierung der Schriftfamilie nachzudenken. Sauerteigs FF Typestar war zu dieser Zeit bereits ein Bestseller. Die Fonts der Prater-Familie sollten, trotz Digitalisierung, ihren handgezeichneten Charakter behalten, also die unregelmäßigen Strichstärken, die wechselnden Strichrichtungen und die stolpernden Buchstabenabstände.

Sommer 2004: handgemaltes Prater-Biergarten-Schild

Weil das lebendige Schriftbild seine Glaubwürdigkeit verliert, wenn zwei identische Buchstaben mit genau denselben Unregelmäßigkeiten nebeneinander stehen, wurde zu jedem Erstfont (gekennzeichnet mit dem Namenzusatz »One«), ein Zweitfont »Two« gestaltet, dessen Unregelmäßigkeiten von denen des Erstfonts abwichen. Viel Arbeit, mit der damals gängigen PortScript-Font-Technik, aber im Ergebnis sehr überzeugend; heute erledigen OpenType-Automatiken eine Menge der Handarbeit. Im Sommer 2000 erblickte die ins PostScript-Type-1 digitalisierte FF Prater als FontFont das Licht der Computerwelt.

Für die Benutzer der Schriftfamilie bedeutet das damals, dass sie munter zwischen Prater One und Two wechseln sollen und dürfen. So erhält jede Prater-Zeile einen wahrhaft handgezeichneten Charakter. Beim Setzen größerer Texte ist die Verwendung beider Fonts Pflicht. Da unser Auge die Unregelmässigkeiten der Schrift in kleineren Graden jedoch kaum wahrnimmt, brauchen hier die Fonts nicht gewechselt werden.

Erster Einsatz der Script-Version: Werbepostkarte der Prater-Gaststätte für ihren Hecht-Club, 2004

Kurz nach Erscheinen der Prater-Grundschriften (Sans und Serif) bekam die Familie bereits Nachwuchs: die Schreibschrift FF Prater Script inklusive Varianten kam hinzu sowie die 3D-Display-Schrift FF Prater Block, die sich sogar zweifarbig aufbauen lässt. Damit wuchs die temperamentvolle Familie zu einem Komplettsystem heran, das durch die Serifen-Version auch in kurzen Texten ausgezeichnete Sympathiewerte bringt.

Zu Bestellung und Downlaod von FF Prater auf fontshop.com …

Das FontBook als iPad-App

Jetzt im App-Store: FontBook fürs iPad (4,99 €) kein Buch, sondern eine typografische Landkarte, die sogar facebooken und twittern kann, und mit 620.000 Schriftmustern rund 20 gedruckten FontBooks entspricht

Fünf Jahre nach dem Erscheinen des letzten gedruckten FontBooks schlägt FontShop ein neues Kapitel auf: die FontBook-App fürs iPad. Obwohl sie den Begriff »Book« im Namen trägt, hat die App nichts mit einem Buch gemein. Vielmehr löst sie einige der Probleme, die das seit zwanzig Jahren gewachsene FontBook zunehmend umständlicher in der Benutzung machten: Gewicht, Seitenbeschränkung (zuletzt 1760 Seiten), fehlender Index, Querverweise, Kapiteleinteilung, mangelnde Aktualität und manches mehr.

Die serielle, alphabetische Anordnung von Informationen ist nur eine von vielen Möglichkeiten, ein Nachschlagewerk zu komponieren – gut geeignet für Experten, weniger für Quereinsteiger, die in der Schriftwelt immer mehr werden. Und so glauben wir, dass die FontBook-App mit vielfältigen Einstiegen und direct-link-Verweisen heute das praktischere Tool für die typografische Inspiration und das Vergleichen von Schriften ist.

Der Einstieg in den FontBook-Atlas ist denkbar einfach: es gibt fünf Türen plus die Volltextsuche (Symbol: Lupe). Um mit letzterem anzufangen: Die Suche ist präzise und präsentiert – schneller als man tippen kann – die Ergebnisliste in Form einzeiliger Schriftmustersätze. Wer zum Beispiel »Helvetica« sucht kann bei »helv« schon die Hand von der iPad-Tastatur nehmen, dann die sechs Suchergebnisse liegen dann schon – in der jeweiligen Schrift gesetzt – zur Ansicht auf dem Schirm:

  • Helvetica
  • Helvetica Inserat
  • Helvetica Monospaced
  • Neue Helvetica
  • Helvetica Rounded und
  • Helvetica Textbook

Neben dem Schriftnamen durchforstet die gleiche Suche die FontBook-Datenbank gleichzeitig nach Designern und Foundries.

Nun zu den fünf Türen der FontBook-App, die mit Klassen, Designer, Foundry, Jahr und A-Z beschriftet sind (siehe erste Abbildung ganz oben). Die Namen sind selbsterklärend, hinter jedem verbirgt sich eine andere Art der Annäherung an eine Schrift oder Schriftgruppe. Ich gehe sie kurz einzeln durch.

Klassen: Sie entsprechen der traditionellen FontBook-Kapiteleinteilung, also Sans, Serif, Slab, Script, Display, Blackletter und Pi & Symbols (Non Latin ist in Vorbereitung und folgt in einem App-Update). Neu ist, und das haben wir uns vom FontShuffle für das iPhone abgeguckt, dass diese Schriftklassen – erstmals im FontBook – in weitere 5 Unterklassen gegliedert sind. Für die Kategorisierung konnte die FontBook-Redaktion eine weltweit angesehene Schriftexpertin gewinnen, die Saarbrücker Professorin Indra Kupferschmid, ein Glücksfall.

Insgesamt ergeben sich durch die neue Katalogisierung 7 x 5 = 35 Schriftstil-Klassen für die visuelle Recherche, wobei eine Schriftfamilie immer nur in einer Klasse auftaucht. Ein Beispiel für die Unterklassifizierung zeigt die 2. Abbildung oben, in der wir die fünf Subklassen des Sans-Serif-Kapitels sehen: Dynamisch (engl: Humanist), Statisch (Gothic), Geometrisch, Grotesk und Frei/Hybrid. Die Größe eines Kartenfeldes verrät etwas über die Menge der dahinter liegenden Inhalte, ein visueller Indikator, der sich durch die gesamte FontBook-App zieht

Designer: Was im Internet längst gang und gäbe ist, ließ sich im gedruckten FontBook nie realisieren (es sei denn, man hätte es in zwei Bänden herausgegeben): die Suche nach Schriftentwerfern. Die App offeriert diese Option auf elegante Art, wiederum als Karte, in diesem Fall jedoch in Weiß-auf-schwarz-Optik: mit nur 3 Fingertipps gelangt man so zum Œuvre eines Lieblingsdesigners, zum Beispiel Erik Spiekermann (Abbildung unten), einer von 1572 von der FontBook-App repräsentierten Typedesigners, aktuell mit einem Opus von 240 Schriften, erschienen bei ITC, FontFont und FontShop:

Foundry: Auch dieser Zugang erklärt sich von selbst … Wer den Namen eines Schriftherstellers kennt (zum Beispiel Emigre), jedoch die Bezsichnung einer bestimmten Schrift des Hauses nicht mehr parat hat, wird über Foundry sofort fündig. Mit dieser Methode erscheinen auch die fast in Vergessenheit geratenen Loz Feliz, Motion oder Suburban sofort wieder aus der Versenkung.

Jahr: Der ewige Kalender der Schriftgeschichte, beginnend 1470 mit Jenson und aktuell endend 2011, zum Beispiel mit Alda von Emigre oder FF Sero, die erst gestern bei FontFont erschienen ist. Allein das letzte Beispiel zeigt, wie aktuell ein digitales FontBook sein kann.

A-Z: Das letzte Türchen ist für all jene Schriftfreunde gedacht, die den Namen einer Schrift kennen aber nicht die direkte Suche verwenden möchten … vielleicht weil drei mal mit dem Zeigefinger tippen noch schneller funktioniert als die Eingabe von 4 Buchstaben (klingt unglaublich, ist aber tatsächlich so).

Alle oben erwähnten Eingänge ins Reich der Schriften enden schließlich mit der Familienansicht einer Schrift (auch, wenn eine Schrift aus nur einem Schnitt besteht, wie viele Headline-Fonts). Sie ist die maßgebliche Betrachtungsumgebung des digitalen FontBooks, die sich in die Navigationsspalte (links) und den Schriftmustertisch (der große Rest des Bildschirms) gliedert. Die Navigationsspalte enthält im oberen Bereich (auf Gelb) den Namen des Entwerfers, Erscheinungsjahr und Foundry. Darunter folgen der Font-Familiennname – wenn es eine Großfamilie mit z. B. Condensed- oder Wide-Schnitten ist ergänzt um Subfamiliennamen –, die Querverweise zu ähnlichen Schriften (falls vorhanden) und zu weiteren Schriften des Designers (falls vorhanden). Aus der Navigationsspalte heraus ist es unmittelbar möglich, alle Querverweise direkt aufzurufen und damit die Ansicht im rechten Bildschirmbereich neu zu füllen. Die über 8000 Querverweise zu ähnlichen Schriften verdanken wir, wie bereits beim gedruckten FontBook 4, den Schriftexperten Stephen Coles und Yves Peters.

Der Schriftmustertisch liefert 6 verschiedene Schriftmuster-Ebenen, die sich nach und nach von rechts nach links wie Schubladen herausziehen lassen und immer tiefer in das Innere einer Schrift vordringen:

  • Schriftmuster-Poster (auf Millimeter-»Papier«)
  • interaktiver 3-Größen-Schriftmuster-Player
  • sortierte Schriftmuster in Headline-Größe plus Alphabet
  • sortierte Schriftmuster in Textgröße
  • komplette Zeichenvorrat-Tabelle
  • Zusammenfassung (auf Gelb)

Schriften mit Lesezeichen versehen und vergleichen. Eines der praktischsten Werkzeuge der FontBook-App ist die Vergleichen-Sektion. Man ruft sie entweder über den Home-Screen oder die Share-Palette auf (Symbol: ✚). Hier ist es möglich, jeden Schriftschnitt einer Familie, die man zuvor als Favorit gekennzeichnet hat (Symbol: ★), in drei verschiedenen Größen zu vergleichen: Headline-, Intro- und Text-Größe. Das Musterwort der Headline-Größe lässt sich frei mit der iPad-Tastatur modifizieren, so dass sich auf diese Art recht schnell Fonts für Logos bzw. Wortmarken testen lassen.

Ebenfalls nützlich in der Vergleichen-Sektion sind die 10 angebotenen Farbfolien, die man unter und über die Schriftmuster legen kann, was sogar das Beurteilen einer Schrift-Negativdarstellung beinhaltet.

Soweit ein paar Worte zur schnellen Einführung in die FontBook-App. In den kommenden Tagen werden ich hier im Fontblog weitere Anwendungsbeispiele zeigen, Fragen beantworten und ein Interview mit den Machern veröffentlichen: Andreas Pieper/null2.net (code), Jan Rikus Hillmann (ux) und Mai-Linh Truong (db).

(Foto TYPO Berlin 2006: © kassnerfoto.de)

❤ der Woche: »Letterfontäne«, 640 S, nur € 49,99

Auf vielfachem Wunsch (siehe Fontblog-Kommentare zu Hausmitteilungen wandern ab in den Shop-Blog): Die FontShop-Kunden wünschen mehr Empfehlungen für neue Schriften, lehrreiche Bücher und hilfreiche Tools. Darum führen wir heute, zusätzlich zum ★ Stern der Woche, das ❤ Herz der Woche ein: Produktlieblinge, ohne Preisreduzierung. Damit können wir zum Beispiel auf neue deutschsprachige Bücher hinweisen, die der Preisbindung unterliegen. Und mit einem solchen will ich gleich heute beginnen.

Letterfontäne ist eigentlich ein Klassiker, zum ersten Mal 1996 herausgegeben von Joep Pohlen und Geert Setola. Anders als unser FontBook zeigt dieses Handbuch nicht nur Hunderte von Schriften, es liefert vor allem elementares Grundwissen. Vor kurzem ist Letterfontäne neu erschienen, im Verlag Taschen, was den großen Vorteil hat, das es in mehreren Sprachen – auch Deutsch – lieferbar ist und sowohl an Umfang wie auch Qualität gewonnen hat … dies alles, wie bei Taschen so üblich, zum attraktiven Preis.

Das umfassende Handbuch über die gedruckte Schrift beginnt mit den ersten Versuchen des Menschen, sich mit Zeichen und Zeichnungen zu verständigen. Es beleuchtet die Anatomie der Buchstaben unseres Alphabets und erklärt die Verbindungen zwischen den einzelnen Schriftarten, von Gutenbergs Zeit bis heute. Die Autoren thematisieren die Ästhetik des digitalen Zeitalters und geben typografische Empfehlungen, zum Beispiel zur Wahl der geeigneten Schriftart für einen bestimmten Auftrag.

Abgerundet wird das Buch durch einen Vergleich serifenbetonter und serifenloser Schriftarten, einen Essay über Maßsysteme und Zeichen, Ratschläge zu typografischen Regeln und eine Anleitung zur Entwicklung digitaler Schriftarten. Über 150 Schriftarten, ihre Ursprünge und Merkmale werden in Letterfontäne ausführlich abgehandelt und durch ganzseitige Schriftschnitt-Tabellen veranschaulicht. Der umfangreiche Anhang enthält einen allgemeinen Index, einen Index der Schriftarten (im Buch sind mehr als 300 abgebildet), einen Index mit mehr als 250 Type-Designern, einen ausführlichen Index mit Foundries, ein Grafik-Wörterbuch und eine Liste weiterführender Literatur.

Übrigens erhielt die niederländische Originalausgabe mit dem Titel Letterfontein 2010 ein Certificate for Typographic Excellence des Type Directors Club New York (TDC) und einen Red-dot Design Award des Design-Zentrums Nordrhein-Westfalen.

Weitere Schmankerl für Buchfreunde:

  • sorgfältig gebunden in Halbleinen mit drei farbigen Lesezeichen
  • 144 Seiten Anhang auf Sonderpapier mit umfangreichem Glossar und Indizes
  • praktisches Lineal und Typometer mit Umrechnung zwischen vier Maßsystemen sowie versteckte Shortcuts für Mac-Tastaturen

Hier geht es zur Bestellung von Letterfontäne, deutsche Ausgabe, im FontShop …

✭ der Woche: World Branding, nur € 9,25 statt € 38,–


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Es gab mal die gute Idee einer Einrichtung, die sich World Branding Committee nannte, vor einigen Jahren gegründet in Japan. Sie widmete sich einer der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, mit der auch viele Designer zu kämpfen haben: das globale Marketing. Nach Ansicht des Komitees lassen sich viele der  bevorstehenden Aufgaben – passend zum Sujet – besser international statt national lösen. Schaut man sich heute die Website der Vereinigung an, liegt der Verdacht nahe, dass bis heute noch nicht viel geschehen ist. Immerhin hat das Komitee zuletzt ein bemerkenswertes Buch veröffentlicht, das auch ins Englische übersetzt wurde und das FontShop in dieser Woche zum Sonderpreis anbieten kann (nur 50 Exemplare lieferbar).

Schon die Einleitung über die Rolle und die Philosophien eines internationalen Marketings liefert Wissen und Argumente, die bei Kundengesprächen sehr hilfreich sein können. Es folgt eine Schritt-für-Schritt-Einführungen in die Elemente eines weltweiten Markenauftritts. Eine Reihe von Fallstudien würzt die Theorie mit praktischen Beispielen und macht sie anschaulich. Dabei rücken nicht nur Consumer-Marken in Rampenlicht, sondern auch Service-Unternehmen und politische Einrichtungen, unter anderem Adobe, Audi, The British Library, A Coherent National Brand for Denmark, The Netherlands Ministry of Defence und Scandinavian Airlines.

Weitere Informationen beim Verlag Gingko-Press, und hier geht es zur Bestellung auf fontshop.de …

Jetzt über 40 Familien im Web-FontFont-Simulator

Starkes Corporate Design – leider nur in der Simulation: die Website des Nachrichtenkanals N24 in der Hausschrift FF Fago, probeweise ersetzt im FontFont-Simulator

Vor rund einem Jahr habe ich im Fontblog erstmals auf unseren Webfont-Simulator hingewiesen: Webfont-Sandkasten FontFonter. Er funktioniert denkbar einfach: Unter der Internet-Adresse fontfonter.com kann man das typografische Erscheinungsbild beliebiger Websites* neu komponieren, indem man deren Sans- oder Serif-Schrften durch entsprechende Web-FontFonts austauscht. In den letzten 12 Monaten wurde FontFonter mehrfach erweitert, so dass inzwischen über 40 der beliebtesten FontFont-Familien zu Auswahl stehen, was bei jeweils 4 Schnitten (Regular, Bold, Bold, Italic) fast 200 Webfonts ergibt. Neben den Klassikern wie FF DIN Web gehören seit wenigen Stunden auch jüngere Schriften wie FF Basic Gothic WebFF More WebFF Spinoza Web und FF Duper Web zum Angebot.

Die Simulation lässt sich denkbar einfach durchführen: Man geht zu FontFonter.com, gibt die URL der umzubauenden Site ein und klickt auf FontFont IT! Man kann entweder alle verwendeten Schriftklassen durch eine einzige FontFont-Familie ersetzen, oder raffiniert getrennt nach Serif und Sans.

* FontFonter verarbeitet fast alle Websites, außer sichere URLs [https] sowie Sites mit kritischen Javascripts oder unbestechlicher Cookie-Politik.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Websites großer Marken noch keine Web-FontFonts einsetzen – zum Beispiel der Nachrichtensender N24 (siehe Aufmacherabbildung). Auch Yello Strom könnte Gigabytes von Web-traffic pro Jahr einsparen, wenn deren Designer die (eigentlich vorzügliche und konsequente) Web-Typografie mit Fonts statt mit statischen und animierten Grafiken realisieren würden:

Yello Strom, Hausschrift FF DIN

UPS, ein Unternehmen, das weltweit mit einem millionenschweren Corporate Design auf den Straßen und in der Luft unterwegs ist, überlässt den typografischen Auftritt im Internet mehr oder weniger dem Zufall: siehe die Original-Website von UPS. Mit der FF Dax Web, eingebaut im FontFonter, kommt das Transportunternehmen seiner Corporate Typography bedeutend näher, wie alleine die Navigation im FontFonter zeigt:

UPS, als Hausschrift ist eine modifizierte FF Dax im Einsatz

Kabel Deutschland war das erste Großunternehmen, das die 2003 erschienene FF Unit von Erik Spiekermann als Hausschrift einführte (Agentur: Factor Design). Leider ist der Netzbetreiber im Internet nicht so schnell wie mit seinen Drucksachen. Die FF Unit Web gibt es seit über einem Jahr, in den HTML-Texten der Kabel-Deutschland-Website sucht man sie jedoch vergebens. Allein der FontFonter simuliert, wie es aussehen könnte … noch einmal am Beispiel der Navigationsleiste:

Kabel Deutschland, Hausschrift ist eine leicht modifizierte FF Unit

Das Berliner Technologieunternehmen AVM ist nicht nur bekannt für seine Fritz!-Box, sondern auch für den konsequenten Einsatz der Schriftfamilie FF Meta in seiner Werbung. Nachdem nun mit Safari auch der letzte große Browser das Webfont-Format .woff unterstützt (auf das FontFont seit seinem Erscheinen konsequent setzt), könnte die AVM-Website nachgebessert werden. Im FontFonter sieht die Navigation mit FF Meta so aus:

AVM, Hausschrift ist FF  Meta

Für das Lesen am Bildschirm: die neue Azuro

FontShop veröffentlicht heute seine zweite exklusive Schriftfamilie, nach Axel von Erik Spiekermann – erschienen vor zwei Jahren, siehe Fontblog-Beitrag Axel, die neue Spiekermann. Die Neuerscheinung heißt Azuro, wurde von Georg Seifert entworfen und von Jens Kutilek gemastert. Azuro ist wahrscheinlich die erste Schriftfamilie, deren Bildschirmverhalten bereits in der Entwurfsphase unter Windows, Mac-OS und Apple iOS unermüdlich getestet wurde, einschließlich Rückwirkung auf den Designprozess. Die OpenType-Familie (TrueType flavoured) bietet die Schnitte Regular, Italic, Bold und Bold Italic, enthält 589 Zeichen pro Font (inkl. griechisch und kyrillisch) und kommt für den Einsatz am Desktop-Rechner (TrueType, 199 €) und im Web (.eot und .woff, 149 €) auf den Markt. Zur Einführung bietet FontShop beide Familien bis 31. Mai 2011 zum unwiderstehlichen Lizenzpreis von je 19,90 € an, nur auf http://www.fontshop.com.

Erst den ausführlichen Beitrag lesen oder sofort zu Azuro Office oder Azuro Web auf fontshop. com …

Weiterlesen

★ der Woche: Big Book, small price (19,90 €)

Der Volksmund sagt »Die Schuster tragen die schlechtesten Schuhe«, was so viel heißt wie: Sie machen gute Arbeit, zeigen es aber nicht am eigenen Fuß. Der Spruch stammt aus einer Epoche, als Werbung noch Reklame hieß und Schuster sowieso keine Zeit hatten, ihre Werkstatt zu verlassen. Heute hat jeder Handwerker ein Logo und betreibt sein eigenes Marketing. Natürlich auch Design- und Werbeagenturen … wobei mancher ihrer Werbeauftritte an die alte Schustermentalität erinnert. Nicht ohne Grund sprachen wir hier im Fontblog häufig über die Selbstdarstellung der Designszene.

Eigenwerbung hat für den ein oder anderen Kreativen einen negativen Beigeschmack … vielleicht, weil sie nicht angeben möchten. Die Autoren des Buchs »The Big Book of Self Promotion« (englisch, Gingko Press, 1. Auflage, 384 Seiten) geben in ihrer Einleitung Entwarnung und machen Mut: »Eigenwerbung bedeutet pure Freiheit, denn Du selbst sitzt am Steuer Deiner Kampagne und bestimmst, mit wem Du arbeiten möchtest … anstatt auf das Wohlwollen eines Klienten angewiesen zu sein.« Klingt irgendwie simpel, ist es aber nicht – das wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Doch nach dem Studium diese Buches ist es in jedem Fall einfacher, und man vermeidet Fehler. Und deshalb empfehle ich das Buch gerne ein zweites Mal im Fontblog, zumal FontShop es in dieser Woche zum Schnäppchenpreis anbieten darf (Danke, Gingko Press).

Allein die hilfreiche Liste mit 7 Regeln, zusammengetragen von den Designberatern Peleg Top und Ilise Benun (Gründer von Marketing Mentor, ein Marketingberatung für selbstständige Kreative) sind Gold wert. Es folgen auf über 350 Seiten Beispiele erfolgreicher Eigenwerbung aus dem Bereich Kommunikationsdesign. Die Auswahl und die Gliederung hierfür traf die Herausgeberin Suzanna MW Stephens, Gründerin von Designs on You! und eine erfahrene Buchkonzeptionerin: 1 Self-Promotion by Designers and Design Firms, 2 Promotions Created for Paying Clients, 3 Holiday and Seasonal Promotions, 4 Wearable, Games, and Miscellaneous Items und 5 Promotions for Nonprofit Organizations

Dazwischen eingestreut befinden sich auf 12 Doppelseiten ausführlich dargestellte Fallbeispiele, zum Beispiel die Selbstdarstellung einer Tierstiftung, mehrere Wandkalenderprojekte, eine vorbildliche Arbeit des australischen Büro North, eine Kommunikationskampagne für einen Hochzeitsfotografen auf Hawaii, Taschen für einen kalifornischen Instrumentenbauer und Factor Design US stellen ihre eigene Promo-Box ausführlich vor. Amüsant für deutsche Leser: Als das Büro Hornall Anderson (Seattle, Washington) 25 Jahre alt wurde, konzipierte es eine nette Kampagne um das Wort »Fünfundzwanzig«, denn »für amerikanischen Augen steckt da gleich zweimal ›fun‹ drin.«

Als Stern der Woche kostet das Buch bei FontShop 7 Tage lang nur 18,60 € statt bisher 45,00 € (keine Versandkosten, zzgl. MwSt, macht 19,90 €).

Die neue FontFont-Website

Wo andere Firmen publizistisch gerne mal weit ausholen – beim Redesign ihres Logos – behandelt unsere Schwesterfirma FSI FontShop International diese Maßnahme ziemlich gelassen. Dabei tastete sie mit dem FontFont-Logo nicht nur ein Werk des großen Neville Brody an, gleichzeitig verabschiedet sich FSI von der fast 20 Jahre dominierenden Hausfarbe Gelb … Warum machen die das? »Alles nur für FontShop.« antwortet Ivo Gabrowitsch auf diese Frage, denn die Marken FontFont und FontShop sind zwar ein Herz und eine Seele, sollen aber besser unterscheidbar werden. Schließlich werden FontFonts weltweit nicht nur von FontShop angeboten, sondern zum Beispiel auch von Phil’s Fonts, Faces oder von Typekit..

Die neue Ein-Farben-Strategie ist nur einer von vielen Ziegelsteinen, die von Erik Spiekermann und seinem Büro für den Relaunch der Website www.fontfont.com gebrannt wurden. Fast ein Jahr arbeiteten EdenSpiekermann und FSI an dem neuen FontFont-Shop, wobei das Design, also die sichtbare Veränderung, zwar komplett neu entwickelt wurde, aber trotzdem nur die berühmte Spitze des Eisbergs darstellt. Unter der Oberfläche der FontFont-Bibliothek hat sich viel mehr getan, was auf den ersten Blick gar nicht auffällt. Und deshalb fange ich damit mal an.

Adios PostScript-Fonts. Mit der neuen Website verabschiedet sich FSI von jenem Font-Format, mit dem die Library einst groß wurde, PostScript-Type-1. Bereits seit über wzei Jahren werden keine FontFont-Neuheiten mehr in dem auslaufenden Format produziert (siehe auch Fontblog-Beitrag vom Februar 2007 Das Ende der PostScript-Type-1-Schriften). Inzwischen verweigern die ersten Programme und Betriebssysteme die Unterstützung für Type-1. Das weitaus mächtigere OpenType CFF wird dagegen von vielen Betriebssystemen unterstützt (Mac OS X, Windows 2000, Windows XP und Windows Vista) und Fonts in diesem Format lassen sich sogar plattformübergreifend nutzen.

Neues Preissystem. Mit Release 55 wurde ein neues, faires Preissystem eingeführt, das weniger üppig ausgebaute Schriften (ohne Kapitälchen und/oder Fremdsprachen) preiswerter macht. Auf dem Gebiet der Offc-Fonts und der Web-Fonts gehören Small Caps jetzt zum Lieferumfang, so dass es zumindest bei der Lizenzierung dieser Schriften keinen Grund mehr gibt, das der seit Jahrhunderten gepflegte typografische Stil heute in Vergessenheit gerät.

FontFont-Produktmanager Ivo Gabrowitsch am vergangenen Montag bei der internen Präsentation der neuen fontfont.com-Site

Neue Gruppierungen. Viele Schriftpakete, die historisch gewachsen waren, wurden benutzungsorientiert umgepackt. So gibt es in der FontFont-Bibliothek keine reinen Italic-Pakete mehr, und Riesenfamilien wurden in nützliche (und damit preiswertere) Teilfamilien zerlegt.

Das neue http://www.fontfont.com. Zu Beginn der Überarbeitung wurde die drei wichtigsten Ziele des Relaunchs definiert: einfache Bedienung, Klarheit und Tempo. Im Fokus der Website stehen zunächst die nützlichsten Schriftfamilien. Produktinformationen, Formate und andere technische Daten erscheinen erst dann, wenn ein Besucher eine für ihn interessante Schrift gefunden hat. Der neue Schwerpunkt offenbart sich unmittelbar beim Betreten der Website, im Font-Browser (Abb. unten). In Windeseile bauen sich hier Minimalschriftmuster auf, basierend auf den aussagekräftigen drei Buchstaben »Rag«, die aber auch geändert werden können. Neue Schriften sind mit einem gelben Sternchen gekennzeichnet, darunter der Schriftname … fertig! Ebenfalls praktisch: Das zugrundeliegende Raster passt sich dem Browserfenster an, so dass die zur Verfügung stehende Fläche immer optimal genutzt wird.

Die Einstellmöglichkeiten im Browser: weißer Text/schwarzer Hintergrund (und umgekehrt), 3 Schriftgrößen, Sortierung

Wer den Filter am Kopf der Website aufklappt, kann die Menge der dargestellten Schriftfamilien ganz schnell zusammendampfen, entweder durch eine Stilvorgabe (z. B. Sans, Script), oder durch eines von 13 Anwendungsgebieten, darunter Werbung & Packaging, Buchtexte, Logo & Branding, Festliches und so weiter. Ein weiteres Klappmenü steuert die Reihenfolge der gefundenen Schriften, die sich nicht nur alphabetisch sortieren lassen, sondern auch nach Größe, Aktualität, Sprachausbau oder Menge der OpenType-Features.

Die Einstellmöglichkeiten im Finder: Bandbreiten für Strichstärke und Zeichenbreite, Anwendungsgebiet, Font-Formate, Designer, Sprachen und manches mehr

Eine Alternative zum Browser ist der Font-Finder, für all jene User, die genau wissen, was sie wollen (Abbildung oben). Er bietet so raffinierte Einstellmöglichkeiten wie Strichstärke und Buchstabenbreite, aber nicht punktuell sondern per Bandbreiten-Regler. Die Musterwörter sind beliebig veränderbar, oder man wählt aus dem reichhaltigen Ausklappmenü, das auch Fremdsprachentexte anbietet für FontFonts, die kyrillische oder griechische Zeichen enthalten.

Die dritte große Sektion auf http://www.fontfont.com ist auch die bunteste, die Designer-Seite, mit den Portraits und Biografien von 161 FontFont-Designern. Auf der News-Seite findet man ausführliche Informationen über neue FontFonts und Hausmitteilungen.

Neugierig geworden? Selber anschauen: www.fontfont.com!

FontShop startet TYPO London, 20.–22. Okt. 2011

Unser Schwesterblog von der TYPO Berlin berichtet heute über einen historischen Schritt: 16 Jahre nach ihrer Premiere im Berliner Haus am Köllnischen Park betritt die jährliche FontShop-Design-Konferenz in diesem Jahr zum ersten Mal Neuland. Vom 20. bis 22. Oktober findet in den Sälen der University of London die 1. TYPO London statt. Ihr Motto: Places. Veranstalter der TYPO London ist FontShop in Berlin, gemeinsam mit dem Designbüro AIG. Für die lokale Organisation zeichnet der Design-Publizist Robin Richmond verantwortlich, der die TYPO Berlin seit 1996 verfolgt.

Wie die Berliner Ausgabe der TYPO bietet auch die Londoner Konferenz ein breiteres Themenspektrum als Typografie pur. Der interdisziplinäre Titel Places drückt diese Offenheit genauso aus wie die ersten angekündigten Sprecher: Michael B Johnson (Pixar), Nat Hunter (Airside), Michael Bierut (Pentagram) und der Regisseur Gary Hustwit, der seinen neusten Film Urbanized vorstellen wird. Moderation: Adrian Shaugnessy, Erik Spiekermann und Simone Wolf.

Der Ticket-Verkauf für die TYPO London hat bereits begonnen. In der ersten Subskriptionsphase (bis 31. Mai 2011) zahlen Studenten £190,00 (inkl. VAT) und Profis £390,00 (zzgl. VAT) statt £650 (zzgl. VAT).

Weitere Informationen: http://typolondon.com

Logan Hall, University of London, Veranstaltungsort der TYPO London “Places”

Als Facebook-User direkt in den FontShop

Benutzern von Facebook öffnen sich die Pforten zum FontShop seit dieser Woche praktisch automatisch. Die neue Login-mit-Facebook-Funktion auf fontshop.com erspart das Ausfüllen von Formularfeldern – sowohl beim Einloggen als auch beim erstmaligen Registrieren. Ein Klick genügt, um in die weite Welt der Schriften einzutauchen oder die Vorteile eines registrierten Nutzers zu genießen (kostenlose Downloads, kostenlose Schriftrecherche und ähnliches).

Wer bereits auf fontshop.com registriert ist, kann seinen FontShop-Account mit dem Facebook-Account verbinden (beide müssen mit der gleichen E-Mail-Adresse angelegt sein). Das Einloggen bei FontShop bleibt genauso sicher wie zuvor, man erspart sich aber das Verwalten eines weiteren Passworts. Und: Wer bei Facebook eingeloggt ist, kann nun auch auf fontshop.com seine Lieblingsfonts mit dem Gefällt-mir-Knopf markieren und dies seinen Facebook-Freunden mitteilen.

Unsere neue FontShop-Kollegin Meghan Arnold mag die Schreibschrift Jackalope von Letter Perfect, was sie mit dem Like-Button auf fontshop.com bescheinigt (links) … kurz darauf wissen es ihre Facebook-Freunde (rechts)

Sie nutzen Facebook gar nicht? Auch kein Problem. Selbstverständlich steht die klassische Anmeldung mittels Formular auch weiterhin zur Verfügung.

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